Geschichte des Lehrstuhls E11
Die Wurzeln des heutigen Physik-Departments der TUM reichen bis zur Gründung der Polytechnischen Schule München im Jahr 1868 zurück. Diese wurde 1877 in Technische Hochschule München (THM) umbenannt und erhielt 1970 schließlich den heutigen Namen Technische Universität München (TUM). Zeitgleich mit der Gründung im Jahr 1868 wurde das Physikalische Institut ins Leben gerufen, das ursprünglich den Namen Physikalisches Cabinet trug. Parallel dazu war die Technische Physik von Anfang an ein besonderes Anliegen. Auf Initiative von Carl von Linde (1842–1934), einem bedeutenden Industriellen und Ehrenprofessor an der THM, wurde 1902 das Laboratorium für Technische Physik gegründet. Erst 1943 wurde zudem ein eigenständiges Institut für Theoretische Physik gegründet.
Um Rudolf L. Mößbauer (1929–2011, Nobelpreis 1961) aus den USA zurück nach München zu holen, ergriff Heinz Maier-Leibnitz (1911–2000) die Initiative und schlug 1962 zusammen mit seinen Kollegen, den Professoren Brenig, Riehl und Wild in einem Memorandum die Gründung eines Physik-Departments vor. Rudolf Mößbauer nahm das Angebot der Bayerischen Staatsregierung an, 1964 an die THM zu kommen, unter der Bedingung, dass das Physik-Department eingerichtet werde.
Dies erfolgte 1965, wobei 10 weitere Professuren eingerichtet wurden. Diese Professuren wurden mit E für Experimentalphysik und T für Theoretische Physik und einer Nummer benannt, wobei die Nummern zweistellig waren und mit 10 begannen. Der 1964 berufene Wolfgang Kaiser (1925-2023) war der zweite im Alphabet, so wurde sein Lehrstuhl „E11“. Kaiser brachte das neue Gebiet der Laserphysik und zeitaufgelöster Spektroskopie aus den USA mit (siehe dazu seinen Lebenslauf).
Nach der Emeritierung von Wolfgang Kaiser im Jahre 1993 wurde Alfred Laubereau (1942 – 2025) an E11 berufen. Er etablierte die zeitaufgelöste Infrarotspektroskopie und gewann wertvolle Einblicke in die Dynamik lokaler Strukturen in Festkörpern und Flüssigkeiten (siehe dazu seinen Lebenslauf). Hunderte Forschungsgruppen weltweit haben diesen Ansatz aufgegriffen und verfolgen ihn bis heute.
Im Jahr 2008 wurde Reinhard Kienberger (*1971) im Rahmen des Exzellenzclusters „Munich Center for Advanced Photonics“ als a.o. Professor an den Lehrstuhl E11 berufen. Er führte mit apl. Prof. Hristo Iglev (*1973) die Ultrakurzzeitspektroskopie fort und etablierte die Attosekundenphysik am Lehrstuhl. Nach mehreren auswärtigen Rufen wurde Reinhard Kienberger 2013 zum Nachfolger des mittlerweile emeritierten Alfred Laubereau als Ordinarius am Lehrstuhl E11 berufen.